Praxisführung/Marketing/Strategie
Vergütung: Einkommen der Chefärzte 2011 um durchschnittlich 9.000 Euro gestiegen
Die durchschnittlichen Gesamtbezüge der Chefärzte haben sich gegenüber dem Vorjahr von 257.000 Euro auf 266.000 Euro erhöht. Dabei stiegen die Grundgehälter 2011 für Chefärzte um 1,8 Prozent, während die durchschnittlichen Erhöhungen der Ärzte insgesamt 2,3 Prozent betrugen. So lauten einige wichtige Eckdaten des aktuellen Kienbaum-Vergütungsreports „Führungs- und Fachkräfte in Krankenhäusern 2011”, der auf Daten aus 176 Krankenhäusern mit Vergütungsinformationen zu 754 nichtärztlichen Führungskräften sowie 1.660 Ärzten beruht.
Vergütung von Führungskräften in Krankenhäusern
Mit ihren Durchschnittseinkommen von 266.000 Euro in 2011 konnten die Chefärzte den negativen Trend aus dem Vorjahr (257.000 Euro) wieder umkehren und den Wert aus dem Jahre 2009 – ebenfalls 266.000 Euro – wieder erreichen. Die Chefärzte verdienen damit zwar das 1,7-fache der Geschäftsführer von Krankenhäusern, liegen mit ihren Einkommen aber knapp 50.000 Euro unter den Einkommen der Geschäftsführer von Wirtschaftsunternehmen.
Die geplanten Gehaltssteigerungsraten der Grundgehälter für 2012 wurden von den an der Studie beteiligten Krankenhäusern mit durchschnittlich 2,0 Prozent angegeben.
Variable Anteile der Vergütung von Chefärzten
Der variable Anteil an der Jahresgesamtvergütung ist mit 52 Prozent sehr hoch. Zum Vergleich: Geschäftsführer in Wirtschaftsunternehmen liegen zurzeit im Durchschnitt bei einem Anteil von 33 Prozent.
Gestaltungsvarianten der variablen Vergütung
Für die Gestaltung der variablen Vergütung von Chefärzten lassen sich drei Hauptformen unterscheiden.
- Das Liquidationsrecht ist mit 51 Prozent immer noch die dominierende Gestaltungsform der variablen Vergütung von Chefärzten. Allerdings sinkt der Prozentsatz von Jahr zu Jahr. So lag der Prozentsatz des Liquidationsrechts in 2010 noch bei 58 Prozent und somit um 7 Prozent höher als in 2011. Für die Einräumung des Liquidationsrechts muss der Chefarzt in aller Regel einen Vorteilsausgleich an das Krankenhaus leisten. Dieser liegt 2011 im Durchschnitt bei 20 Prozent der Liquidationseinnahmen (Vorjahr: 23 Prozent). Zusätzlich werden die Mitarbeiter der Chefarztabteilung häufig über eine Poolverpflichtung an diesen Einnahmen beteiligt.
- Die Beteiligungsvergütung sehen 14 Prozent (Vorjahr: 13 Prozent) der Chefarztverträge vor. Dieser Anteil hat sich in den letzten zehn Jahren um etwa 10 Prozent erhöht. Hierbei erhält der Chefarzt einen vertraglich fixierten Anteil an den Einnahmen der Klinik aus der gesonderten Berechnung zum Beispiel wahlärztlicher Leistungen. Die Beteiligungsvergütung erreicht im Durchschnitt einen Wert von 115.000 Euro (Vorjahr: 99.000 Euro). Sie liegt damit über der Bonusvereinbarung (79.000 Euro), erreicht aber nur 58 Prozent der Durchschnittseinkünfte aus der Ausübung des Liquidationsrechts.
- Bei der Bonusvereinbarung hat der Chefarzt Anspruch auf eine vertraglich fixierte Vergütung auf Basis einer vereinbarten Berechnungsgrundlage. Dies sind häufig quantitative Kennziffern wie Fallzahlen oder Patientenbelegung oder betriebswirtschaftliche Größen wie Betriebsergebnis, Kosten- und Erlösbudget. Die Kliniken forcieren diese Art der variablen Vergütung, da die Träger immer stärker darauf angewiesen sind, wirksame Instrumente zur Steuerung der Krankenhäuser einsetzen zu können. Seit 2001 stieg der Anteil der Bonusvereinbarung an den variablen Vergütungen von 11 auf mehr als 20 Prozent an. Außerdem ist die Bonusvereinbarung immer ein Bestandteil von Kombinationen der Gestaltungsformen.
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Variable Vergütungen der Chefärzte 2011 (in Tsd. Euro)
|
Liquidationsrecht* |
Beteiligungsvergütung |
Bonusvereinbarung |
Kombinationen |
insgesamt | |
| Unteres Quartil | 32 | 27 | 23 | 12 | 17 |
| Median | 106 | 50 | 53 | 20 | 60 |
| Oberes Quartil | 263 | 153 | 100 | 61 | 161 |
| Durchschnitt | 199 | 115 | 79 | 84 | 138 |
* nach Abzug von Kostenerstattung, Vorteilsausgleich und Poolverpflichtung
Zur Erläuterung:
Die Werte des unteren bzw. oberen Quartils bedeuten, dass jeweils 25 Prozent der Chefärzte mit ihren variablen Einkommen noch unter bzw. über den im jeweiligen Quartil angegebenen Einkommen liegen. Der Median ist der mittlere Wert aller Nennungen
Entwicklungen bei den Gestaltungsvarianten
Bei jüngeren Chefarztverträgen nimmt der Anteil des Liquidationsrechts zugunsten anderer Gestaltungsformen stetig ab. Hatten vor 15 Jahren noch über 90 Prozent der Chefärzte ein Liquidationsrecht, so liegt dieser Prozentsatz bei den Verträgen, die nicht älter als drei Jahre sind, inzwischen bei nur noch 30 Prozent. Gleichzeitig hat sich die Verbreitung der Bonusvereinbarung seit 1995 von unter 5 Prozent auf über 45 Prozent bei Neuverträgen erhöht.
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Variable Vergütung nach Vertragsalter (in Tsd. Euro)
| Alter des Chefarztvertrages | Unteres Quartil | Median | Oberes Quartil | Insgesamt |
| Unter einem Jahr | 8 | 31 | 59 | 49 |
| 1 bis 3 Jahre | 12 | 32 | 103 | 77 |
| 3 bis 5 Jahre | 16 | 58 | 144 | 92 |
| 5 bis 10 Jahre | 34 | 94 | 184 | 149 |
| 10 bis 15 Jahre | 57 | 150 | 282 | 201 |
| Über 15 Jahre | 84 | 286 | 477 | 363 |
| insgesamt | 17 | 60 | 161 | 138 |
Im Durchschnitt erzielten die Chefärzte mit alten Verträgen in 2011 gut siebenmal so hohe variable Vergütungen wie die Kollegen mit neuen Verträgen.
Chefarzteinkünfte aus Nebentätigkeiten
Neben der variablen Vergütung besteht für Chefärzte die Möglichkeit, ihre Jahresgrundbezüge durch Einkommen aus Nebentätigkeiten zu erhöhen. Voraussetzung dafür ist eine Nebentätigkeitserlaubnis, die allerdings die überwiegende Zahl der Positionsinhaber besitzt. Zu den vereinbarten Nebentätigkeiten gehören zum Beispiel die ambulante Beratung und Behandlung sowie nichtstationäre Gutachtertätigkeiten.
Die Bandbreite in der Höhe der Einkommen aus Nebentätigkeiten ist enorm hoch. Es werden hier Werte von wenigen Tausend Euro zum Beispiel in der Geriatrie bis zu Beträgen von über 200.000 Euro in der Radiologie im Jahr erreicht.
Woraus resultieren die hohen Vergütungsunterschiede?
Die Chefarzteinkommen sind sehr unterschiedlich. Für die Höhe der Chefarztvergütung sind verschiedene Merkmale des jeweiligen Krankenhauses und des Positionsinhabers ausschlaggebend. Einige Merkmale des Krankenhauses, die einen hohen Einfluss auf die Vergütung ausüben, sind:
Größe und Standort der Klinik
Ein Chefarzt in einem Krankenhaus mit bis zu 250 Beschäftigten verdient durchschnittlich 165.000 Euro und damit nur 46 Prozent von dem, was sein Kollege in einem Haus mit mehr als 2.000 Beschäftigten erhält. Große Vergütungsunterschiede bestehen nach wie vor zwischen den alten und neuen Bundesländern. Die deutlich niedrigeren Chefarzteinkommen in den neuen Bundesländern (durchschnittlich 219.000 Euro) sind darin begründet, dass dort den Chefärzten wesentlich seltener ein Liquidationsrecht eingeräumt wird und die Höhe der Privatliquidationen geringer ausfällt. Trotzdem haben sich die Einkommen in den letzten Jahren etwas angenähert.
Persönliche Merkmale
Bei den personenspezifischen Merkmalen sind besonders das Alter und die Berufserfahrung sowie das Geschlecht des Positionsinhabers Kriterien, die sich auf das Einkommen auswirken. Junge Chefärzte (40 Jahre) liegen mit 200.000 Euro um 136.000 Euro unter dem Durchschnittseinkommen eines über 60-jährigen Kollegen. Krankenhäuser honorieren – ebenso wie Unternehmen – die zunehmende Berufserfahrung, wodurch Einkommenszuwächse von über 100 Prozent während des Berufslebens möglich sind.
Fachrichtung und Reputation
Auch die Fachrichtung und die Reputation der Chefärzte beeinflussen die Vergütungshöhe erheblich. Die nachfolgende Tabelle zeigt am Beispiel der Anästhesie die Streuung der Einkommen in einer Fachabteilung und die unterschiedlichen durchschnittlichen Einkommen in verschiedenen Fachbereichen.
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Einkommen der Chefärzte nach Fachabteilungen (in Tsd. Euro)
| Anästhesie/Intensivmedizin | Grundbezüge | Variable Vergütung | Nebentätigkeit | Gesamtbezüge |
|
Unteres Quartil |
87 |
35 |
1 |
136 |
|
Median |
105 |
76 |
9 |
179 |
|
Oberes Quartil |
141 |
193 |
23 |
282 |
|
Durchschnitt |
124 |
177 |
15 |
267 |
Chirurgie (Durchschnitt)
134
156
50
275
Gynäkologie/Geburtshilfe (Durchschnitt)
132
95
71
229
Radiologie (Durchschnitt)
126
229
151
341
| Chirurgie (Durchschnitt) |
134 | 156 | 50 | 275 |
| Gynäkologie/Geburtshilfe (Durchschnitt) |
132 | 95 | 71 | 229 |
| Radiologie (Durchschnitt) |
126 | 229 | 151 | 341 |
Die ausgewiesenen Werte für den Bereich Anästhesie/Intensivmedizin zeigen, dass der Durchschnitt immer über dem Median liegt. Dies ist im Wesentlichen darin begründet, dass die Durchschnittswerte durch den Einfluss einzelner, sehr hoher Einkommen nach oben gezogen werden.
(Beitrag aus „Chefärzte Brief“ -Ausgabe 1/2012-)


