Praxisführung/Marketing/Strategie
Mehrfachstrategie entwickeln!
Angesichts der täglichen Schlagzeilen aus dem Gesundheitswesen wird immer wieder die Frage nach der richtigen Strategie gestellt. Die Halbwertzeit der Nachrichten und Informationen ist denkbar gering. Die gesundheitspolitischen Diskussionen um die “Richtigkeit des Systems” reissen nicht ab. Dazu kommt, dass die teilweise stark berufsideologisch geprägten Meinungsführerschaften eher Ausdruck individueller Profilierung sind und zur Weiterentwicklung des Systems kaum etwas beitragen. Fraglich ist, wie eine Strategie ausssehen könnte, den möglichen Entwicklungen zu begegnen. Hierfür werden die folgenden Thesen beispielhaft vorgeschlagen:
Fitness der Praxis durch Benchmarks optimieren !
Jede Praxis muss finanziell optimal aufgestellt sein. Hierfür ist die Überprüfung der Einnahmen- und Kostenseite erforderlich, um Gegenmaßnahmen einzuleiten. Hier kann der auf Ärzte spezialisierte Steuerberater mit eigenen Erfahrungswerten helfen oder auf arztspezifische Benchmarks wie z.B. von Rebmann Research oder kompetenter Bankberater zurückgreifen. Weiterhin werden KV-Bescheide, die rechtswidrig sind, nicht angegangen oder z.B. das Forderungsmanagement bei PKV - Patienten vernachlässigt. Daneben wird zuwenig Wert gelegt auf freundliches und motiviertes Personal, erkennbares Marketing, eine positive Außendarstellung und Internet. Eine betriebswirtschaftlich gesunde Praxis wird stets einen gewissen Wert haben, unabhängig davon, ob und wann die Zulassungsbeschränkungen für Ärzte fallen oder modifiziert werden.
Kooperationen weiter im Blick haben !
Die Kooperationsmöglichkeiten bleiben nach wie vor wichtig. Für jede Praxis findet sich die richtige Strategie, die sich betriebswirtschaftlich rechnen muss. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Angestellter Arzt, Teilzulassung, Praxisübernahme, Praxisgemeinschaft, Berufsausübungsgemeinschaft (Gemeinschaftspraxis), Praxisfilialen, überörtliche Kooperationen, mVZ, usw. Zunächst sollte die eigene Praxissituation unter dem Blickwinkel “Wachstum” geprüft werden, dann die interprofessionelle bzw. interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Kollegen. Arztspezifischen Benchmarks zu Folge arbeiten Praxen in einer Größe zwischen vier und sieben Teilhabern am effektivsten.
Berufsausübungsgemeinschaft oder medizinisches Versorgungszentrum (mVZ) ?
Krankenhäuser, Kliniken und alle “Nichtärzte” der GKV (z.B. Apotheker, Sanitätshäuser) benötigen das mVZ zwingend, um an der ambulanten Versorgung teilzunehmen. Diese werden weitestgehend mit, aber nie gegen die niedergelassene Ärzteschaft realisiert werden können. Daher bietet sich die Chance, sektorenübergreifend zu kooperieren. Auf Seiten der Niedergelassenen genügt für fast alle o. g. Kooperationsmöglichkeiten die Berufsausübungsgemeinschaft (ehemalige Gemeinschaftspraxis), zu meist in der Rechtsform der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Die Lösung von Haftungsfragen oder steuerrechtliche Motive führen dann u.U. auch zu anderen zulässigen Rechtsformen.
Gesundheitspolitisches Umfeld berücksichtigen !
Das gegenwärtige (oder antizipierbare !) gesundheitspolitische Umfeld ist zu berücksichtigen. Die kassenärztliche Bundesvereinigung geht in einem Szenario 2020 selbst davon aus, dass nur noch rund die Hälfte der in den bisherigen Gesamtverträgen gebündelten GKV-Vergütung den bisherigen Weg geht. Ein großer Teilbereich wird daneben über Selektivverträge abgewickelt und gemanagt, d.h. dies können auch Direktverträge mit Krankenkassen sein, z.B. über die Integrierte Versorgung oder auch die verbandsgemanagt und –gesteuerten Versorgungsverträge wie in Baden-Württemberg. Fraglich ist daher, wie sich eine Alternativstruktur neben der Kassenärztlichen Vereinigung im Einzelnen weiter aufbaut und entwickelt. Die Praxis sollte auf diese möglichen Entwicklungen eingestellt sein.
Standort attraktiver machen !
Wie bei jedem anderen gewerblichen Unternehmen mit Kundenkontakt kommt es entscheidend auf den Standort an. Viele Praxisstandorte lassen hier noch zu wünschen übrig, obwohl sich im Zuge städtebaulicher Entwicklung viele gute Möglichkeiten zur Standortverbesserung ergeben. Der Standort entscheidet über die Teilhabe an den Patientenströmen, auch an den privatversicherten Patienten, um sich von den GKV-Patienten weiter unabhängig zu machen. Weitere Gesundheitszentren werden zukünftig an attraktiven Standorten entstehen und ihre Standortmerkmale noch stärker hervorheben als bislang.
Praxisnetze verstärken !
Praxisnetze sollten weiter ihre Schlagkraft verbessern: Zum einen durch eine bessere Vernetzung und Kooperation der Mitglieder untereinander, zum anderen durch eine passende Gesellschaftsform mit entsprechender Öffentlichkeitswahrnehmung. Viele Ärztenetze fusionieren zur Zeit oder bereiten sich darauf vor. Wie bei den Praxiskooperationen scheint das Motto: “Big is beautiful” zu gelten, um eventuell Alternativstrukturen aufzubauen.
Fazit
Die Mehrfachstrategie geht von einer gesunden Praxis aus. Die Optionen dazu heißen: Wachstums- und kooperationsfähige Strukturen ausloten und legen, Praxisnetze nach vorne bringen und den Standort optimieren.





