Betriebswirtschaft/Praxisbewertung
Finanzierung/Banken: Der richtige Umgang mit Banken
Am aktuellen Finanzloch von Porsche ist zu sehen, dass auch Vollprofis beim Thema Finanzierung und Banken schwerwiegende Fehler unterlaufen.
Geldverleiher und Banken waren auf dieser Welt noch nie beliebt. Sie sind keine Samariter sondern knallharte Geschäftsleute. Im Zweifelsfall wird auch bei kleinen Beträgen stets das Interesse der Bank in den Vordergrund gestellt; auch wenn das dem Kreditnehmer – im Vergleich zum Ausfallrisiko für die Bank – überproportional hohe Verluste beschert.
Dieser Teil enthält einige Grundsätze zum Umgang mit Banken. Diese sind zwar allgemein bekannt, allerdings nicht gegenwärtig.
Banken/Finanzberater:
- Sorgen Sie für genügend Vorlaufzeit. Wenn Sie in Eile oder Not sind wird die Bank die Modalitäten stets vorteilhaft gestalten – für sich.
- Ein gutes Angebot lässt sich am besten daran erkennen, dass es besser ist als andere. Also: Möglichst viele Angebote einholen, auch wenn es keinen Spaß macht.
- Lassen Sie sich die Konditionen sowie die Zusage unbedingt schriftlich und mit der Unterschrift einer verantwortlichen Person (Prokura) geben.
- Vertrauen Sie niemandem nur weil er nett ist.
- Überlegen Sie stets warum jemand seine Hilfe anbietet und was er davon hat. Ist die Beratung primär in Ihrem Interesse oder besteht ein Interessenkonflikt? Z.B. aufgrund einer provisionsorientierten Vermittlung.
- Sofern die Bank Ihnen kein Geld gibt hat das einen Grund. Beseitigen Sie diesen.
- Leihen Sie kein Geld von Verwandten und sonstigen Privatleuten. Auch nicht vom Praxisabgeber.
- Lassen Sie niemanden eine Bürgschaft geben.
- Versuchen Sie mit einem geringem Finanzierungsvolumen zu starten und zeitlich aufschiebbare Investitionen aus dem Cashflow zu tätigen. Hierfür bedarf es natürlich – wer meine Artikel kennt ahnt es – eines Controlling-Systems.
- Freunde und Bekannte, die schon einmal eine Immobilie etc. finanziert haben, sind aufgrund dessen mitnichten kompetente Berater in Finanzierungsfragen.
- Nachverhandeln nicht vergessen. Das geht nur mit einer soliden Gesprächsvorbereitung und den notwendigen Argumenten. So viel Geld wie gespart werden kann, wenn der Zins um ein halbes Prozent niedriger ausfällt, verdienen die allerwenigsten mit 3-4 Stunden Arbeit.
- Die Gegenfinanzierung sollte nicht von Spekulationsgedanken oder hohen Zinsaussichten nach dem Motto „wenn die Wirtschaft gut läuft“ geprägt sein. Hier ist Sicherheit gefragt sowie ein vom Berater schriftlich fixiertes Worst-Case Szenario – für das er im Zweifelsfall die Haftung übernimmt. Aussagen wie „da passiert nix“ sind unbrauchbar.
- Die meisten Banken verkaufen nur eigene Produkte für die Gegenfinanzierung oder solche, bei denen die Verkaufsprovision für die Bank stimmt. Ein gutes Geschäft – aber nicht für Sie!
- Für Ärzte die eine Praxis finanzieren möchten gilt grundsätzlich: Die Bank bekommt kein Bürgschaft. Von niemandem.
- Keine Sicherheiten bei der Praxisfinanzierung mit spezialisierten Banken sind gängige Praxis – die nicht ohne Not vom Praxisgründer preisgegeben werden darf. Die Abtretungserklärung der KV-Einnahmen sowie eine Todesfallversicherung müssen genügen. Geben Sie keine Immobilien etc. als Sicherheit. Nur sofern Sie einen günstigeren Zinssatz erzielen möchten. Dann darf das Angebot einer Sicherheit allerdings erst im Rahmen der Zinsnachverhandlung eingebracht werden.
Bei einem aktuellen Refinanzierungssatz der EZB von 1% und Null Risiko für die Bank (aufgrund einer Immobiliensicherheit) muss sich der kritisch investigative Arzt allerdings fragen ob 3,8% Zinsen für das Ausfüllen eines Kreditantrages tatsächlich gerechtfertigt sind oder nur der neue Maybach des Direktors mit 25% Rendite gegenfinanziert werden soll – um es ein wenig bildlich darzustellen.





