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Aktuelles

Langfristig ist der Ärztemangel für Ärzte negativ!

Schlagwörter: Ärtemangel, Niederlassung, Gastärzte, Planungsbezirke, Wettbewerb, Region, Fremdbesitzverbot, EU, Bundesländer, Gesundheitswesen

Ob es nun zu viele oder zu wenige Ärzte gibt ist eine Frage der Betrachtung. Offensichtlich ist, dass es in einigen ländlichen Regionen zu wenige Hausärzte gibt, während es in den meisten urbanen Regionen zu viele gibt. Das hier ein sinnvoller Ausgleich stattfinden wird ist unwahrscheinlich. Gesetzgeber und Standesorganisationen konnten und können hierfür keine wirkungsvollen Instrumente entwickeln – also wird es langfristig der Markt richten!
Aktuell hat der Ärztemangel für die Mediziner mehr Vor- als Nachteile. Sieht man einmal von  der Arbeitsbelastung derer ab, die mangels Alternative von Patienten überschwemmt werden.
Die Vorteile liegen in der Aufmerksamkeit für die Probleme der Ärzteschaft, geringer Arbeitslosigkeit sowie primär in der Diskussion um eine bessere Bezahlung. Eine bessere Bezahlung klingt gut, droht jedoch die Gefahr einer Selbstregulierung durch den Markt auszublenden. Der Markt wird bei angebrachter pessimistischer Betrachtung langfristig Folgendes tun:

  • Gastärzte“: Kliniken in strukturschwachen Gebieten stellen Ärzte aus dem noch strukturschwächeren europäischen Ausland an. Diese Gastärzte, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Europäischen Union unbegrenzte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis genießen, können somit erste Erfahrungen im deutschen Gesundheitswesen sammeln und die Sprache perfektionieren. In den Kliniken der „neuen“ Bundesländer geschieht dies bereits.
  • Niederlassung: Circa die Hälfe aller Klinikärzte verlässt die Klinik nach 5-10 Jahren um eine eigene Praxis zu gründen. Das wird auch bei den Gastärzten so sein.
  • Planungsbezirke: Aufgrund des Ärztemangels sowie aus Gleichheitsgründen – siehe Zahnärzte – werden die Planungsbezirke aufgehoben und die freie Niederlassung wird wieder möglich.
  • Wettbewerb: Die besten Gastärzte werden sich in den urbanen Ballungsräumen niederlassen und den alteingesessenen Platzhirschen Patienten und Geld abjagen.
  • Preis: Gastärzte mit weniger guter Qualifikation werden sich trotzdem in den Ballungsräumen ansiedeln und über den Preis Patienten gewinnen.
  • Ländliche Region: Einige werden sicherlich den ihnen zugedachten Platz einnehmen und sich in strukturschwachen Gebieten ansiedeln.
  • Fremdbesitzverbot: Eventuell fällt das Fremdbesitzverbot und kommerzielle Unternehmen gründen in strukturschwachen Gebieten Praxisnetzwerke mit angestellten Gastärzten – um von dort in die lukrativeren Regionen vorzustoßen. Prädestinierte Fremdbesitzer wären die Pharmaindustrie oder nach lukrativen Möglichkeiten suchende Großinvestoren.

Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Klar wird aber, dass all diese Risiken ob der Aussicht auf eine bessere Bezahlung nicht vernachlässigt werden dürfen.

Die sinnvollste Lösung wäre, wenn die Ärzteschaft die Aufhebung des Fremdbesitzverbotes unterstützen würde. Deutsche Ärzte und Ärztinnen könnten dann vermehrt im ambulanten Bereich angestellt sein. Aufgrund der Ergebnissteigerung, durch ein vom Investor eingesetztes professionelles kaufmännisches Management, würden die Ärzte im Durchschnitt besser verdienen; bei reduzierten Arbeitszeiten und ohne Kapitalrisiko.

Aufgrund der finanziellen Möglichkeiten und durch eine konfliktarme zentrale Führung des Investors, kann die Patientenbetreuung deutlich verbessert werden. Dies geschieht im Rahmen großer und gut funktionierender Praxen (MVZ).

Die Gewinnung, Bindung und ergebnisorientierte Führung von Mitarbeitern – egal an welchem Standort – gehört zu den Kernkompetenzen großer Unternehmen/Investoren. Sie hat nur in geringem Umfang etwas mit der Höhe der Bezahlung zu tun. Sofern einem Investor jedoch bereits günstige Gastärzte zur Verfügung stehen, warum sollte er objektiv betrachtet vermeintlich teurere und in sättigendem Wohlstand aufgewachsene deutsche Ärzte anstellen?

Das Fremdbesitzverbot sollte gekippt werden, solange dies noch nicht der Fall ist. Die Zukunft gehört großen Praxen, die professionell gemanagt werden. Den meisten Ärzten ist nicht mit der existierenden Möglichkeit zur Bildung solcher Einheiten geholfen. Die Höhe der Investition schreckt viele ab und wenn sie den Weg doch gehen, werden erzielte Optimierungseffekte häufig vom offenen oder verdeckten Streit um deren Verteilung wieder aufgezehrt.

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